Download als PDF : Konzept
Vorwort
Die Initiative zur Gründung des Kindergartens „Sonnentor“ entstand im Herbst 1989. Aus dem Gründerkreis der Johannesschule in Bonn, einer anthroposophisch-heilpädagogischen Schule, fand sich ein kleiner Kreis von Eltern und Förderern mit dem Anliegen zusammen, den zukünftigen Schülern der Johannesschule auch schon im Vorschulalter eine adäquate Förderung zukommen zu lassen. So entstand der Gedanke zur Gründung eines heilpädagogischen Waldorfkindergartens. Im Zuge der Vorbereitungen wandelte sich der rein heilpädagogische Impuls hin zur Begründung eines integrativen Kindergartens.
Seit der Entstehung des Kindergartens hat sich vieles verändert. Das betrifft nicht nur die Zusammensetzung von Elternschaft und Kollegium, sondern auch das gesamte Umfeld. Beispielsweise entwickelt sich die Gen- und Computertechnologie schneller als je zuvor und verändert unsere Umwelt innerhalb weniger Jahre stärker, als es die Evolution in Tausenden von Jahren vermocht hat. Dies verändert unseren Lebensstil und beschleunigt unseren Lebensrhythmus enorm.
Eltern erleben, selbst eingespannt in die Anforderungen von Beruf, Familie, Freizeit, dass sie immer weniger Zeit für ihre Kinder finden. So sind Kinder mehr und mehr selbst konfrontiert mit technischen Errungenschaften wie Fernsehen, Computerspielen, Gameboy u.ä. und dem damit einhergehenden schnellen Wechsel von Eindrücken.
Kindheit ist im Wandel, die Entwicklungsmöglichkeiten, die unsere Umwelt den Kindern bietet, haben sie verändert und so haben sich auch die Kinder selbst mit ihren Fähigkeiten und Schwierigkeiten verändert. Immer mehr treffen wir auf Kinder deren Wahrnehmungsprozesse beeinträchtigt sind. Wir sprechen dann von verhaltensauffälligen oder erziehungsschwierigen Kindern, von Kindern mit Lern- und Konzentrationsstörungen.
Es kann nicht das Anliegen eines Waldorfkindergartens sein, technische Errungenschaften oder die Schnelllebigkeit unserer Zeit zu kritisieren. Aber wir betrachten es als unsere Aufgabe einen Raum zu schaffen, in dem Kinder auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene, sich gesund entwickeln können, gerade damit sie später in der Lage sind, den Anforderungen einer veränderten Umwelt gerecht zu werden, und als kreative Menschen den Mut und die Kraft haben, den technischen Fortschritt mit Herz und Hand zu lenken.
I. Pädagogisches Konzept
Zielsetzung
Ein wichtiges Ziel unserer Kindertagesstätte ist das selbstverständliche „Miteinander leben“ von behinderten und nicht behinderten Kindern. In einem Lebensalter, in dem es für Kinder noch keine Vorurteile und Bewertungen gibt, sollen sie die Möglichkeit bekommen
· einander wahrzunehmen, in die Lebenswelt des anderen einzutauchen und so seine Bedürfnisse und Fähigkeiten zu erkennen und den Umgang damit zu üben
· voneinander zu lernen im motorischen, sprachlichen, emotionalen, kreativen, kognitiven und sozialen Bereich
Über das gemeinsame Lernen hinaus soll selbstverständlich jedes Kind seinen individuellen Möglichkeiten entsprechend gefördert werden.
Pädagogischer Ansatz
Da unser Kindergarten einen gemeinsamen Lebensraum für behinderte und nicht behinderte Kinder bildet, durchdringen sich in unserer Arbeit Elemente aus der Waldorfpädagogik mit Elementen aus der anthroposophischen Heilpädagogik.
Rhythmus
Grundlegendes Element beider Ansätze ist die rhythmische Gestaltung des gesamten Geschehens im Kindergarten. In der anthroposophischen Menschenkunde wird der Ätherleib, oder auch Lebensleib, als dasjenige Wesensglied betrachtet, in welchem aufbauende und gesundende Kräfte liegen. Dieser Ätherleib steht in unmittelbarer Verbindung sowohl zu den Rhythmen innerhalb unseres Leibes (Puls, Atmung, abwechselnde Aktivität und Passivität der Organprozesse) als auch zu den Rhythmen außerhalb unseres Leibes (Tag-, Nacht-, Wochen-, Monats- und Jahresrhythmus). So gehen wir davon aus, dass alles, was rhythmisch auf den Menschen Einfluss nimmt, kräftigend auf den Ätherleib wirkt und somit positiv auf Gesundheit und Entwicklung des Kindes.
Darüber hinaus vermittelt die Ausbildung von festen Gewohnheiten, von täglich wiederkehrenden Handlungen, den Kindern Lebenssicherheit und Orientierung und stärkt ihren Willen.
Aus diesen Gründen gestalten wir das Leben im Kindergarten nach Möglichkeit in Anlehnung an den Jahresrhythmus der Natur, in dem wir z.B. bewusst bestimmte Jahresfeste feiern und Veränderungen in der Natur wahrnehmen. Wir gestalten den Wochenrhythmus anhand von wiederkehrenden Tätigkeiten, wie z.B. malen, kneten, Brötchen backen und Eurythmie.
Gleichermaßen legen wir Wert auf einen rhythmisch gegliederten Tagesablauf: Zeiten, in denen die Kinder ihren eigenen Spielimpulsen nachgehen, wechseln sich ab mit solchen, in denen der/die Erzieher/in das Geschehen gestaltet und führt.
So gliedert sich der Tag für die Kinder:
· Freispiel im Gruppenraum
· Morgenkreis oder Gruppeneurythmie
· Frühstück
· Freispiel im Freien
· Märchen und Puppenspiel
· Mittagessen
Nach dem Mittagessen wird ein Teil der Kinder um 13:00 Uhr abgeholt. Die anderen begeben sich zur Mittagsruhe und gehen zwischen 15:00 Uhr und 16:00 Uhr nach Hause.
Freispiel im Gruppenraum
Der Tagesablauf beginnt mit dem Freispiel. Die Phantasie der Kinder bestimmt das Spielgeschehen. Die Kinder haben etwas erlebt und benutzen die freie Spielzeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Durch ihre Sinne lernen die Kinder, die sie umgebende Welt kennen und verinnerlichen diese durch ihre Nachahmung (Gedächtnisbildung).
Ein Beispiel: Markus kann nicht gehen, er liegt auf dem Bauch und zieht sich mit den Ellenbogen vorwärts. Anna legt sich neben ihn und „läuft“ mit ihm um die Wette. Anna hat einen Weg gefunden, Markus zu verstehen, mit ihm in Kontakt zu treten und zu kommunizieren.
Ein weiteres Beispiel: Daniel und Michael haben sich aus Bauelementen eine Kugelbahn gebaut. Simon, ein in seiner Entwicklung verzögertes Kind, möchte auch mitbauen. Doch Daniel und Michael beklagen sich: „Simon schubst immer alles um!“ Die Erzieherin greift ein und macht einen Vorschlag. Daniel und Michael übernehmen den Aufbau, Simon darf dann die Kugeln oben einlegen. Die Kinder sind zufrieden. Sie haben einen Weg gefunden, zu dritt so zu spielen, dass sich jeder mit seinen Fähigkeiten einbringen kann.
Beim Umgang miteinander spielt das Vorbild des Erwachsenen eine entscheidende Rolle. Die Erzieher gestalten eine fröhliche und entspannte, aber aktive Atmosphäre. Ihre eigene innere Aktivität (Beobachten der Kinder, deren Verhalten wahrnehmen und verstehen) sowie ihre äußere Tätigkeit (hauswirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeiten) geben den Kindern Halt und Orientierung und regen sie zum Spielen an.
Gemeinsame Aktivitäten wie beispielsweise das wöchentliche Backen, das Wasserfarbenmalen oder das Säen der Ostergrasschale im Frühjahr, stärken das Gruppengefüge. Die Kinder erleben, dass sie alle, ungeachtet ihrer Schwächen und Stärken, mit einbezogen werden können und jeder seinen Teil zum Gelingen des Ganzen beiträgt.
Spielmaterial
Für die Auswahl des Spielmaterials in unserem Kindergarten gelten folgende Kriterien:
Es soll so frei lassend wie möglich sein, um den Kindern ausreichend Raum für ihre eigene Phantasietätigkeit zu lassen und gleichzeitig so ausgeformt wie nötig, um auch sinnesschwächeren Kindern genügend Anregungen und Reize zu geben, damit diese in ihr eigenes Spiel finden können.
Darüber hinaus sollen die gewählten Materialien der Pflege, insbesondere der grundlegenden Sinne (Gleichgewichtssinn, Tastsinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn), dienen. D.h. wir legen Wert auf Naturmaterialien in unterschiedlichen Qualitäten, Formen und Farben. Es finden sich in unserem Kindergarten Steine, Zapfen, Muscheln, Kerne und Kastanien. In der Bauecke stehen Holzbauklötze, Bausäcke mit verschiedener Füllung sowie farbige Tücher und anderes zur Verfügung. Es gibt aber auch Stricktiere und Puppen, Fellchen und Kissen zum Einkuscheln. Selbst eine Werkbank mit Werkzeug steht bereit, an der die Kinder ihre fein- und grobmotorische Geschicklichkeit erüben und phantasievolle Gebilde herstellen können.
Morgenkreis
Sprache, Gesang und Bewegung sind die Elemente, aus denen der Reigen gestaltet wird.
Jeden Tag nach dem Aufräumen taucht die Kindergruppe in ein gemeinsames Bewegungsspiel ein. Themen sind z.B. die Jahreszeiten und Jahresfeste mit den dazugehörenden Tätigkeiten wie etwa dem Graben, Rechen und Säen des Gärtners im Frühjahr oder dem Ernten im Spätsommer. Auch das Leben der Tiere mit ihren charakteristischen Merkmalen wird gespielt. So erscheinen zu Ostern die Häschen und zu Pfingsten die Vögel. Im Herbst kommen vielleicht die Zwerge, die das Leben und das Licht der Pflanzen in die Erde hineintragen und die Tiere, die ihren Winterschlaf halten.
Der Reigen pflegt und bildet das Empfinden für Musik und Rhythmus und schult nicht nur das Bewegungsempfinden durch sinnvolle Gebärden, in ihm lebt auch eine freilassende Religiosität. Die Kinder tauchen mit ihrem ganzen Wesen in das Geschehen ein und geben sich für Augenblicke ganz hin an die Tätigkeit des Gärtners oder sie schlüpfen ganz in die Rolle des Häschens. Die Andacht und die Hingabe, mit der sie dies tun, ist Ausdruck einer Religiosität wie sie ihrer Altersstufe entspricht.
So vorbereitet entwickeln Kinder auch ein besonders intensives Verhältnis zu den Festen, die im Kindergarten gefeiert werden. Sie werden das Erntebrot mit mehr Begeisterung essen, wenn sie vorher spielerisch mit dem Bauern gesät und geerntet haben und sie werden die Eier zu Ostern dankbarer in Empfang nehmen, wenn sie sie zuvor mit dem Häschen im Reigen bunt angemalt und überall versteckt haben.
Und nicht zuletzt legt das innige Sicherheitsverbinden mit der Natur im Kindesalter den ersten Grundstein für ein umwelt- und naturfreundliches Verhalten im Erwachsenenalter.
Freispiel im Freien
Nach dem gemeinsamen Frühstück gehen wir zur zweiten Freispielzeit nach draußen. Wir haben das Glück nicht nur einen schönen Garten zu unserer Verfügung zu haben, sondern auch noch Spielplätze und einen großen Wald in erreichbarer Nähe. An diesen verschiedenen Spielorten bieten sich den Kindern reichhaltige Erfahrungsmöglichkeiten.
Sie erleben die Verwandlung der Natur durch die Jahreszeiten hindurch, denn sie dürfen mithelfen, wenn im Garten gesät und gepflanzt, gejätet oder Laub gerecht wird. Sie können mit dem Schlitten oder gleich auf dem Po den kleinen Hang im Garten hinunterrutschen, wenn uns der Winter einmal Schnee beschert. Und sie dürfen sich die Taschen voller Kastanien, Eicheln und Bucheckern sammeln, wenn der Herbstwind sie von den Bäumen schüttelt und so die Natur mit Leib und Seele erfahren.
Darüber hinaus erhalten die Kinder Gelegenheit, ihren Bewegungsorganismus auf vielfältige Weise zu schulen. Bildet der gesunde Leibaufbau doch die Grundlage für eine gesunde geistige und seelische Entwicklung.
So können sie im Garten Seilspringen und Stelzenlaufen, Sandburgen bauen und Sandkuchen backen. Auf dem Spielplatz wird geschaukelt, gewippt, geklettert und gesprungen. Im Wald machen wir lange Spaziergänge, balancieren über Baumstämme und bauen uns Hütten aus herumliegenden Ästen.
Märchen und Puppenspiel
Im Anschluss an die freie Spielzeit im Garten oder Wald, sammeln sich die Kinder zum Märchenkreis. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen wird den Kindern die gleiche Geschichte erzählt oder als Puppenspiel mit einfachen selbst gemachten Marionetten oder Stehpuppen vorgespielt. Meist werden kleine rhythmische Geschichten oder Märchen ausgewählt, deren Inhalte der Lebenswelt der Kinder entsprechen, die zur Jahreszeit passen oder die die Kinder auf ein bevorstehendes Fest vorbereiten.
Warum erzählte Märchen und Puppenspiele in einer Zeit, in der Kinder durch die Medien mehr als genug Unterhaltung erfahren?
Weil wir denken, dass erzählte Märchen und schlicht gehaltene Puppenspiele für das Kind ein Weg zurück zur schöpferischen Phantasie sein können.
Durch Fernsehen, Kino, Computer und unsere hektische Lebensweise sind Kinder heutzutage zu vielen und zu starken Sinneseindrücken ausgesetzt, so dass sie sich schützen müssen und sich verschließen. Sie sind unkonzentriert, es fällt ihnen schwer stillzusitzen und zuzuhören. Nicht selten empfinden die Kinder Langeweile und wissen nicht, was sie spielen sollen.
Durch die inneren Bilder der Märchen und die Bewegung der Puppen aber lassen die Kinder sich bezaubern. Ihr Gefühlsleben und ihr Denken wird angesprochen ohne sie zu überfordern. Schon nach einigen Wochen erfinden die Kinder oft selbst kleine Geschichten und führen mit Stricktieren und Puppen kleine Spiele auf.
So sind Märchen und Puppenspiele nicht nur Unterhaltung, sondern vor allem Spielerziehung und Phantasiepflege und dienen damit der Stärkung der Lebenskräfte der Kinder.
Die tägliche Wiederholung über drei bis vier Wochen hinweg ist wichtig, denn die kindliche Seele braucht Zeit, die Bilder in sich aufzunehmen und zu einem eigenen Spiel umzuwandeln.
Mittagessen
Das gemeinsame Mittagessen ist sowohl ein Lernelement als auch ein soziales Element in unserer Kindergartenkonzeption.
Mittels einer besonderen Regelung ist es möglich, dass das Mittagessen wechselweise von den Eltern gekocht wird und so die Kinder etwas von zu Hause für alle mit in den Kindergarten bringen können.
Dies und auch die Tatsache, dass alle Kinder gemeinsam mit den Erziehern essen, wirkt sich in der Regel sehr positiv auf das Essverhalten der Kinder aus. Vor allem auf Kinder mit Essproblemen kann hier eingegangen werden. Häufig verändert sich das Essverhalten der Kinder schon allein dadurch, dass das Essen an einem anderen Ort, unter anderen Voraussetzungen als zu Hause und vor allem in Gesellschaft anderer Kinder eingenommen wird.
II. Therapeutische Maßnahmen
Fester Bestandteil unseres integrativen Konzeptes sind verschiedene Therapien. Wir gehen davon aus, dass die gezielte Förderung einzelner Kinder oder kleiner Gruppen von Kindern eine konkrete Rückwirkung auf den Gruppenalltag hat, denn die Entwicklung jedes einzelnen Kindes ist Voraussetzung für die Entwicklung der gesamten Gruppe. Des Weiteren setzen wir voraus, dass nur sozial handeln kann, wer auch ein ausreichendes Maß an Eigen- und Fremdwahrnehmung besitzt. So bedingen sich also Gruppenalltag und Therapie gegenseitig.
Der Halt und die Sicherheit, welche der Gruppenalltag bietet, sind eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Therapie. Gleichzeitig geben die in der Therapie gemachten Fortschritte den Kindern mehr und mehr die Möglichkeit, sich in der Gruppe zurecht zu finden.
Therapie wird nicht im Sinne eines Funktionstrainings verstanden, sondern soll den Kindern helfen, sich mit ihrem Sosein zu arrangieren und sich - entsprechend ihrer Möglichkeiten - zu organisieren. Therapie ist also nicht defizit-orientiert und dient nicht ausschließlich dazu, individuelle Defekte zu „heilen“, sondern sieht ihre Aufgabe auch darin, durch gezielte Hilfestellung neue Handlungskonzepte zu erwerben und so die Kompetenz des Kindes zu stärken.
Grundlage für die Festlegung der Therapien ist die Therapeutenkonferenz. Hier treffen sich Therapeuten und Erzieher regelmäßig, tauschen interdisziplinäre Beobachtungen, Erfahrungen und Fachwissen aus und entscheiden nach therapeutischen und pädagogischen Gesichtspunkten über Art und Dauer von Therapien. Bei Bedarf wird der Kindergartenarzt zu Rate gezogen.
So können Therapien und Gruppenaktivitäten zeitlich und inhaltlich immer wieder neu auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder abgestimmt werden.
Im Folgenden stellen die Therapeuten ihre Arbeit kurz dar:
Die Eurythmie
Die Entwicklungsschritte der Kinder in positiver Weise zu unterstützen, ist uns ein großes Anliegen. Ein unentbehrliches Mittel ist uns hier die Eurythmie.
Gruppeneurythmie
Wie sieht die Eurythmie im Kindergarten aus?
Jede Woche zieht die Kindergartengruppe in den Eurythmieraum, wo sie in eine Geschichte eintaucht. Mit Hilfe von Lautgesten ahmt das Kind die Bewegungen der Eurythmistin nach. So ist es z.B. im Frühling zuerst Vogelmutter, dann Vogelkind, Biene und Blume.
Um die Bilder der Geschichte zu formen, verwendet die Eurythmie keine Alltagsgesten, sondern die Laute des Alphabetes. So ist ein „B“ eine umhüllende Geste der Arme und drückt einen Bären aus, der den Baum hochsteigt, oder einen großen Baum, der im Winde sich bewegt. „A“ kann als staunende Geste den Tag begrüßen oder Frau Amsel sein.
Die Konsonanten spiegeln die Bewegungsgesten der Natur wider, die Vokale zeigen die Seelenregungen. Die Formkräfte der Konsonanten und Vokale, welche als Lautgesten zum Ausdruck kommen, wirken formend und gestaltend auf den kindlichen Bewegungsapparat und somit positiv auf die Entwicklung des heranwachsenden Gesamtorganismus.
Zu den Lauten gesellt sich stets in der Untermalung der Geschichte ein Rhythmus, der sie trägt. Laute und Rhythmen wirken harmonisierend und gesundend auf das Kind. Durch die Wiederholung der Geschichte jede Woche (etwa 4-5 Wochen eine Geschichte), wird diese Wirkung noch unterstützt, denn Wiederholung und Rhythmus erhalten und bauen die Lebenskräfte auf.^Die Kinder hören dieselbe Geschichte ohne Veränderung immer wieder gerne!
Physiotherapie im Kindergarten
Für die Kinder sind die „Turnstunden“ ein fester Bestandteil im Kindergartenalltag. Eigentlich möchte jedes Kind gerne mitmachen. Die Kinder, die „ausgewählt“ werden, haben einen besonderen Stand unter den anderen Kindern; oft werden sie beneidet und nicht wegen „ihrer“ kleineren und größeren Problemen ausgesondert (keiner muss zur Physiotherapie gehen, weil er „krank“ ist).
Grundlagen der Arbeit sind:
- Die Bobath-Therapie
Ein ganzheitliches Konzept, dass an der individuellen bisherigen Entwicklung des Kindes ansetzt und das Kind an seinem aktuellen Entwicklungsstand abholt. Mit dem Kind werden dann nach seinem Können weitere motorische Entwicklungsschritte erarbeite, z.B. durch die „Anbahnung“ (Führung) physiologischer Bewegungsabläufe.
„Neu-Erlerntes“ fließt im Alltag mit dem „Alten-Können“ zusammen. In Absprache mit den anderen Therapeuten, den Erziehern und den Eltern wird überlegt, wie jeder für sich das Kind in seiner Entwicklung begleiten sollte, damit es nicht über- oder unterfordert wird.
- Die Psychomotorik
Wie eng die motorische Entwicklung mit der geistig/seelischen Entwicklung zusammenhängt, das zeigen uns die Kinder sehr deutlich (Körpersprache). Sie hüpfen vor Freude, trampeln vor Wut oder lassen sich hängen, weil sie traurig sind.
Ziel ist es, die Entwicklung von „Leib und Seele“ zu fördern unter besonderer Berücksichtigung der Bewegung. Nur wer Erfahrung machen „darf“ im Umgang mit seinem eigenen Körper (Körperschema), sich mit verschieden Räumen und Dingen in der Umwelt auseinandersetzen lernt und im Umgang mit anderen sein Sozialverhalten schult, der wird seine Persönlichkeit weiter gestalten können.
Über positive Erfahrungen beim Spielen (Psychomotorik-Gruppe) wird das Selbstbewusstsein des Kindes gestärkt. Im Alltag werden die Kinder ebenfalls mutiger und sie lernen sich selbst besser einzuschätzen, Respekt vor dem Anderen zu haben, ihre eigenen Fertigkeiten zu erweitern und mit Ihren Schwächen zurecht zu kommen.
Die Sprachtherapie
In unserem Kindergarten gibt es zwei Therapeutinnen, die je 15 Stunden wöchentlich in der Einrichtung arbeiten. Ihre Therapiezeiten überschneiden sich an einem Tag miteinander, so dass sie beide zusätzlich die Möglichkeit haben, zu zweit mit den Kindern zu arbeiten. Sie beide pflegen den Austausch und die Zusammenarbeit mit den anderen Therapeuten und Erziehern/-innen und arbeiten neben der therapeutischen Arbeit auch direkt in den Gruppen mit.
Die Sprachtherapie in Sonnentor ist somit eingebunden in die tägliche Arbeit mit den Kindern. Die Kinder können sowohl einzeln als auch in der Gruppe beobachtet und gefordert werden. Der direkte Austausch mit den Eltern und anderen Pädagogen/Therapeuten ist folglich wesentlich leichter zu „bewerkstelligen“. Keiner ist gezwungen auf einer „Insel“ der Sprachtherapie zu bleiben und die sprachliche Entwicklung des Kindes zu fördern, ohne seinen Alltag zu erleben, seine täglichen Bedürfnisse und die kleinen Veränderungen im Leben mitzuerleben.
Die Therapieinhalte sind individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder zugeschnitten, so dass ein pauschales Portrait „der Sprachtherapie“ nicht möglich ist. Grundsätzlich ist die sprachtherapeutische Förderung aber in Sprach- und Handlungsspielräume eingebunden, die sich am Alltag der Kinder orientieren. Am Anfang einer jeden sprachtherapeutischen Intervention wird eine Befunderhebung durchgeführt, um eine individuelle, alters- und störungsspezifische Therapieplanung zu gewährleisten.
Insgesamt umfasst unsere sprachtherapeutische Arbeit folgende Störungsbereiche:
Störung der Sprachentwicklung
Störung der Lautbildung und Grammatik, myofunktionelle Auffälligkeiten
angeborene und erworbene zentrale Sprach- und Sprechstörungen
Stimmstörungen/Atemflussstörungen
Störungen des Redeflusses
Stottern und Poltern
Kau- und Schluckstörungen (Esstherapie)
Atemtherapie
Ziel der Sprachtherapie ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der größtmöglichen kommunikativen Kompetenz.
III. Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagogen
Der Kindergarten „Sonnentor“ ist eine Elterninitiative! Es sind also Eltern, die diesen Kindergarten gegründet und aufgebaut haben und auch weiterhin für dessen Aufrechterhaltung verantwortlich sind. Das bedeutet, dass die Elternschaft einen Vereins-vorstand wählt, der für die öffentlichen und wirtschaftlichen Verpflichtungen zuständig ist (dazu gehören z.B. Gehaltsabrechnung, Buchführung, Personaleinstellung, Taxiabrechnung, Verbandsarbeit mit dem DPWV und mit der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten).
Die entsprechenden Ämter der Vorstandsmitglieder werden alle ehrenamtlich ausgeführt und der Vorstand muss alle zwei Jahre neu gewählt werden.
Darüber hinaus sind wir darauf angewiesen, dass alle Eltern zum praktischen Ablauf des Kindergartens beitragen. So sorgen die Eltern für das Mittagessen der Kinder, waschen Wäsche, pflegen den Garten, verrichten Reparaturarbeiten am Haus und basteln für den jährlich stattfindenden Basar.
Die Mitarbeit der Eltern ist hierfür unerlässlich und somit auch Pflicht (ca. 5 Samstage pro Jahr) ! Die gemeinsame Arbeit ist auch eine schöne Gelegenheit zu einem lebendigen Kontakt zwischen Elternschaft und Kindergartenkollegium.
Da es unser Ziel ist, dass alle Eltern unser pädagogisches Konzept mittragen, halten wir eine intensive Elternarbeit für notwendig.
Es finden regelmäßig Elternabende statt, auf denen verstärkt waldorfpädagogische und integrationsorientierte Themen zur Sprache kommen. Des Weiteren laden wir Eltern zu Festen in den Kindergarten ein. Wir führen Einzelgespräche mit den Eltern im Kindergarten und ggfs. kommen wir zu Hausbesuchen in die Familien.
Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen Elternhaus und Kindergarten ist uns sehr wichtig, denn wir wollen gemeinsame pädagogische Ziele für die Kinder entwickeln, so dass die Kinder eine Einheit zwischen Elternhaus und Kindergarten erleben.
Bei Bedarf, stehen Erzieher und Therapeuten auch gerne zu Beratungsgesprächen zur Verfügung, denn es ist uns ein Anliegen, elterliche Kompetenz zu fördern und zu stärken.
IV. Aufnahmekriterien
1. Zielgruppe
Grundsätzlich steht unsere Einrichtung allen behinderten und nicht behinderten Kindern ab dem vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Schulreife offen.
Behinderte und anderweitig seelenpflegebedürftige Kinder können prinzipiell unabhängig von Schwere und Art der Behinderung aufgenommen werden, sofern Erzieher/-innen, Eltern und Therapeuten eine Möglichkeit sehen, es in die Gruppe zu integrieren und den besonderen Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden.
2. Einzugsbereich
Der Einzugsbereich des Kindergartens ist verhältnismäßig groß, da es noch wenige waldorfpädagogisch orientierte integrative Kindergärten in der Gegend gibt. Wir legen jedoch Wert darauf, dass der Anfahrtsweg für die Kinder nicht mehr als 30 km beträgt. Erfahrungsgemäß bedeuten zu lange Anfahrtswege einen so hohen Stressfaktor für Eltern und Kind, dass dieser den pädagogischen Wert unserer Arbeit zu stark mindert.
So betreuen wir Kinder aus dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis, Bonn, Teile des Kreises Euskirchen, Meckenheim und Köln.
3. Aufnahmeverfahren
Alljährlich führt der Kindergarten Informationsabende oder Infogespräche durch. Hier stellen die Erzieher/-innen die Konzeption und das pädagogische Profil des Kindergartens vor. Des Weiteren erläutert der Vereinsvorstand die Besonderheiten einer Elterninitiative und der daraus resultierenden Arbeit bzw. finanziellen Mehrbelastung. Die Teilnahme an diesen Abenden ist Voraussetzung für das weitere Aufnahmeverfahren.
Nun führt die Kindergartenleitung und die Erzieher/-innen ein Aufnahmegespräch mit jeder Familie. Dazu gehört die Anamnese des Kindes und eine nochmalige Vorstellung der Einrichtung.
Für die Aufnahme von behinderten und von der Behinderung bedrohten Kindern ist ein amtsärztliches Gutachten, aus dem die Notwendigkeit einer sonderpädagogischen Förderung hervorgeht, Voraussetzung.
Weiterhin ist ein Antrag auf Gewährung von Eingliederungshilfe, die bei den örtlichen Sozialhilfeträgern gestellt wird, notwendig. Die Fahrtkosten werden von überörtlichen Trägern der Sozialhilfe finanziert.
Bei der Aufnahme von nicht behinderten Kinder geben die Eltern eine Erklärung zum Elternbeitrag in Form einer Einkommenserklärung ab. Dieser Beitrag ergeht an das Jugendamt und ist gestaffelt nach Einkommensklassen.
Darüber hinaus bezahlen alle Eltern einen Mitgliedsbeitrag an den Verein. Dieser beinhaltet Bauumlagen, Betriebskosten, Eurythmie- und Frühstücksgeld.
Die finanziellen und organisatorischen Belange des Kindergartens werden in einem Gespräch mit dem Vereinsvorstand erläutert.
Die Entscheidung, ob die Aufnahme eines Kindes möglich ist oder eventuell die Empfehlung an eine andere Institution im Interesse des Kindes liegt, wird von der Leitung, den Mitarbeitern und dem Vorstand getroffen. Möglicherweise wird auch der Kindergartenarzt zu Rate gezogen.
V. Rahmenbedingungen
Gesetzliche Grundlagen
Die intergrative Kindergartentagesstätte ist eine sozialpädagogische Institution mit einem eigenständigen Erziehungs- und Bildungsauftrag, dem das KIBIZ zugrunde liegt.
Die gesetzliche Grundlage für die Betreuung von Kindern mit einer Behinderung ist das Bundessozialhilfegesetz (BSHG § 39) in Verbindung mit den Richtlinien des Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW vom 30.06.1982.
Räumlichkeiten
2 Gruppenräume mit Nebenraum und integrierter Küchenzeile
2 Wasch- und Toilettenräume
2 extra Waschräume mit Badewanne bzw. Dusche sowie Wickeltisch
1 Mehrzweckraum für Mittagsruhe, Gruppeneurythmie, Turnen, Therapien
1 Therapieraum für Physiotherapie, Spiel- und Sprachtherapie
des Weiteren Garten, Garage und Büro
Personelle Besetzung
Pädagogisch: 1 freigestellte Leitung mit heil- oder sonderpädagogischer Qualifikation
1 Erzieher/-in mit Zusatzqualifikation zum Waldorferzieher/in pro Gruppe
1 Ergänzungskraft (Erzieher/in) pro Gruppe
Therapeutisch: 1 Physiotherapeutin
2 Sprachtherapeutinnen
Zusätzliche Stellen: 1 Eurythmistin an einem Tag pro Woche
1 Raumpflegerin
1 Küchenhilfe
Gruppenstruktur
In jeder Gruppe stehen zehn Plätze für nicht behinderte Kinder und fünf Plätze für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder zur Verfügung.
Betreuungs- und Öffnungszeiten
Für die behinderten Kinder setzt die Gewährung der Eingliederungshilfe laut § 39, 40 BSHG in Sonderkindergärten und integrativen Kindergärten voraus, dass es sich um eine teilstationäre Einrichtung im Sinne des § 100 Abs. 1 Nr. 1 BSHG handelt. Vorgeschrieben ist für die behinderten Kinder eine tägliche Betreuungszeit von 6 Std. an 5 Tagen pro Woche, und zwar von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr.
Die Öffnungszeit des Kindergartens ist von 7.00 Uhr bis 16.15 Uhr. Mittwochs endet der Kindergarten immer um 15 Uhr, wegen anschließender Konferenz der Erzieher/innen bzw. Therapeutinnen. Um die Gruppen nicht zu sehr zu spalten und nicht zu viele Abholzeiten zu haben, wurde festgelegt, dass alle Kinder Übermittagsbetreuung erhalten sollen.
Da die Erfahrung gezeigt hat, dass auch nicht behinderten Kindern eine Nachmittagsbetreuung gut tut oder aus der familiären Situation heraus sinnvoll erscheint, steht allen diese Möglichkeit offen und wird nach Absprache zwischen Erziehern und Eltern geregelt.
Es gibt drei Abholzeiten, diese sind: 13.00 Uhr, 15.00 Uhr bis 16.00 Uhr.